Muskeln durch Hightech - Pro7 Galileo vom 6.2.11
Letzten Sonntag habe ich einen interessanten Artikel bei Pro 7 in der Sendung Galileo gesehen. Es ging um moderne Trainingsformen, die angeblich in wenig Zeit viel schaffen sollen. Dabei ging es um Vibrationstraining, Unterdrucktraining und EMS-Training. Das Vibrationstraining soll durch kleine aber intensive Vibrationen ein effektiveres Training ermöglichen. Das gleiche Verspricht das EMS-Training, wo durch gezielte Stromstöße die Muskeln noch stärker angespannt werden. Bei dem Unterdrucktraining geht es mehr um Fettreduktion durch die Förderung der Durchblutung in den Problemzonen. Das Ganze wurde von der Deutschen Sporthochschule in Köln begleitet.
Ich habe selbst in den letzten Jahren diese Trainingsformen oder auch Trends beobachtet und immer wieder überlegt, ob es tatsächlich Sinn macht, sowas in meinem Training einzusetzen. Letztendlich habe ich mich immer dagegen entschieden. Zu dem Warum komme ich später im Text.
Viel Luft um nichts?
In dem Beitrag wurde auch deutschlands Koryphäe Prof. Dr. Ingo Froböse zu den einzelnen Methoden befragt und äußerte sich ziemlich kritisch: "Die Methoden versprechen relativ viel. Einerseits Gewichtsreduktion und zum zweiten dicke, kräftige Muskeln und eine hohe Fettverbrennung. Und da bin ich schon sehr kritisch. Denn so einfach ist das oft nicht. <Vun nix kütt nix> sagen wir in Köln."
Ich bin da der gleichen Meinung wie Prof. Dr. Froböse und habe mich wirklich gefreut, dass Pro 7 einen aufklärenden Beitrag dazu ausgestrahlt hat.
„95% aller Muskeln werden trainiert“
Laut Hersteller der bekanntesten Vibrationsplatten sollen durch das Training 95% aller Muskeln im Körper aktiviert und trainiert werden. Das kann aber auch ein stinknormaler Gymnastikball. Der kostet auch nur 20 € und nicht 15.000 €.
Bedenklich ist weiterhin, wie Prof. Dr. Froböse sagt: "Das ist nicht ungefährlich. Nicht umsonst ist gerade auch die Vibration als Berufskrankheit zum Beispiel bei LKW- Fahrern anerkannt, weil sie eben Summationen von Schäden provoziert, die dann langfristig zu einem großen Problem werden."
Doch nicht ganz ohne Training
Was ich selbst noch sehr interessant finde, ist die Tatsache, dass alle Probanden während der Nutzung der Geräte ganz normale sportliche Übungen durchführen. An dieser Stelle wäre es interessant gewesen, zum Vergleich jemanden mit einem normalen Kraft- und Ausdauertraining traineren zu lassen. Denn am Ende des zweiwöchigen Tests kamen keine spektakulären Ergebnisse heraus. Ich behaupte sogar, dass man die gleichen Ergebnisse mit einem gezielten Training hätte auch erreichen können.
Das Durchführen von klassischen Übungen während der Nutzung dieser Methoden erinnert mich an so manche Gebrauchsanweisungen von Heimtrainern, die mit dem Versprechen "Gewicht zu verlieren" verkauft werden. Darin steht ganz oft an Punkt 15, nachdem man die letzte Schraube festgedreht hat: "Und nun essen Sie ab heute nur noch die Hälfte."
Fazit
Ich selbst habe mich immer gegen diese Geräte entschieden, weil sie in meinen Augen keinen wirklichen Zusatznutzen bringen. Der einzige Nutzen den es gäbe wäre der, dass ich wahrscheinlich mehr Kunden gewinnen würde, weil ich eine „trendy Sache“ anbiete. Ich will aber nicht die Gesundheit meiner Kunden in Gefahr bringen. Erfolg haben meine Kunden auch ohne diese Geräte.
Und ja, ich habe diese Geräte selbst ausprobiert :-)
In diesem Sinne: Vielen Dank an Pro 7 und die Redaktion von Galileo! Solche Beiträge wünsche ich mir für die Zukunft öfter, damit jeder selbst erkennen kann, was sinnvoll für die Gesundheit ist und was nicht.
Hier der Link zu dem Beitrag: http://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/clip/149891-muskeln-durch-hightech-1.2399088/


vibrationsplatten
Verfasst von pepe (nicht überprüft) am 17. Juni 2011 - 11:50.Grundsätzlich ist richtg, dass die forschende Sportwissenschaft derzeit widersprechende Studien herausgibt. Tatsache ist auch, dass immer mehr Studien die Wirkung von Vibrationsplatten bestätigen. Eine dieser randomisierten Studien, erstellt von Prof. Wolfgang Kemmler vom Osteoporoseinstitut - Uni Erlangen, zeigt, dass sich signifikante Verbesserungen im Detail, zum Unterschied von Krafttrainingsgruppen ergeben. Auch er betont, da ist noch viel Forschungsbedarf notwendig.
Hallo, ich freue mich über
Verfasst von Alexander Schütt am 9. Mai 2011 - 22:54.Hallo,
ich freue mich über die rege Diskussion, die hier entsteht.
Mir geht es darum, dass viele (nicht alle) Hersteller und Anbieter dieser TrainingsMETHODEN behaupten, dass es das einzig wahre Trainingsmittel zum Erfolg ist. Ich möchte mit diesem Post den Leser dazu anregen, nachzudenken.
Was führt zu gesundheitlichen Schäden... Darüber kann man lange streiten. Sicherlich führt ein HIT Training auch zu Schäden, wenn es zu lange durchgeführt wird. Wie überall macht auch die Dosis etwas aus. Aber beim Krafttraining ist die Datenlage deutlich reifer als es z.B. beim Vibrationstraining oder EMS-Training der Fall ist. Nicht umsonst sind die Listen mit den Kontraindikationen bei den Herstellern dieser Geräte sehr lang, um sich vor möglichen Regressansprüchen zu schützen.
@Hartmut: Ich sehe ein einseitiges Training mit nur einer Methode generell als ineffektiv an. Ich würde auch nie einem Kunden empfehlen, nur Laufen zu gehen oder nur Krafttraining zu machen. Es geht bei einem gesundheitsorientierten Training für mich immer darum, alle motorischen Komponenten auf ein passendes Niveau anzuheben. Und ich glaube, dass wir uns da alle einig sein werden, wie man dies erreicht.
Im Sinne einer Therapie zur gezielten Innervation bestimmter Muskelstränge zum Ausgleich von Muskeldysbalancen (EMS) oder zur Verbesserung der inter- und intramuskulären Koordination (Vibrationen) kann so ein Training auch sehr sinnvoll sein. Dort wird es aber auch nicht als alleiniges Trainingsmittel über mehrere Wochen eingesetzt.
Ich komme übrigens gerne auf dein Angebot zurück und werde mich die Tage bei dir melden:)
Galileo und Wissenschaft
Verfasst von Hartmut Stechele (nicht überprüft) am 3. Mai 2011 - 17:00.Hallo Alexander,
ich würde Dich gerne zu einem kostenlosen Vibrationstraining einladen.
Auch die Tatsache, dass ein Prof. Dr. Froböse sein Kommentar zu einer "1-Frau-Studie" über 2 Wochen gibt, sollte nicht über den Schwachsinn solcher sensationslüsternden Fernsehberichte hinweg täuschen.
Ich weiß, dass es leider in unserer Branche sehr häufig primär um das Geld und nicht um den Kunden geht. Um so wichtiger erachte ich es, dass die vermeintlichen Experten Aufklärung für den Kosumenten leisten. Das können sie aber nur, wenn sich damit auch intensiv beschäftigen, und das hast Du offensichtlich versäumt. (sorry...)
Wenn Du Lust hast, melde Dich gerne. Vielleicht können wir etwas voneinander lernen.
Liebe Grüße
Hartmut Stechele
Ganzkörper-EMS Training
Verfasst von M.Kaul (nicht überprüft) am 6. April 2011 - 13:24.Hallo Herr Schütt,
leider kann ich den Beitrag nicht mehr bei Pro7 abrufen, um mir einen Eindruck über die Aussagen zu verschaffen, die Sie in Ihren Ausführungen zusammenfassen.
Bezogen auf die Thematik Ganzkörper-EMS gibt es meiner Meinung sehr wohl einige interessante Hinweise über die Wirksamkeit, die in Zukunft, sowohl im präventiven als auch im rehabilitativem Sinne von Nutzen sein können.
- Vatter,J.,Elektrische Muskelstimulation als
Ganzkörpertraining(Köln,2010),Akademische Verlagsgemeinschaft München.
- Fritzsche, D. et al.Elektromyostimulation bei kardiologischen Patienten.
Wird das EMS-Training bedeutsam für die Sekundärprävention?. Herz (2010)
Vol. 35, Nr. 1, 34-40.
- Mester, J. et al., Spezifizierung der Belastungsparameter und
Trainingssteuerung beim Ganzkörper-Elektrostimulationstraining,
BISp-Forschungsförderunng 2009/10.
- Kemmler, W., Einfluss eines Elektrostimulations-Trainings auf die
Körperzusammensetzung bei älteren Männern mit metabolischem Syndrom
Die Test-II Studie. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (2010), Jahrgang
61,Nr.5, S. 117- 123.
Unabhängig davon, ob man dies in der täglichen Arbeit mit Kunden als Personal Trainer einsetzt und dies auch ökonomisch einen Nutzen bringt, könnte die Möglichkeit für viele Menschen eine interessante Trainingsalternative darstellen.
Ich würde mich sehr über eine fachliche Diskussion mit Ihnen freuen.
Gruß
M.Kaul
Vibrationsplatten
Verfasst von Tini (nicht überprüft) am 16. März 2011 - 16:42.Das ist ja wirklich ein sehr interessanter Beitrag. Ich suche die ganze Zeit nach Beiträgen zu diesen Vibrationsplatten, da es in meinem kleinen Studio ebenfalls das Angebot gibt, diese zu nutzen (speziell das "Galileo").
Ist es also nicht so, dass die Tiefenmuskelatur angeregt wird und sich somit weiter entwickelt, was ein strafferes Bindegewebe zur Folge hat?
Ich bin spektisch, ob ich das Angebot annehmen soll (immerhin knapp 60 € für 10 Einheiten).
Ich erwarte nicht, dass das Galileo "alle Probleme" löst, aber ist es denn eine zusätzliche (!) gute Methode um an diese berühmte Tiefenmuskelatur zu kommen?
Die erwähnten Schäden würde ich nun mal für mich ausschließen, da die Seltenheit der Nutzung wohl nicht dazu führen würde...
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